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Straßenbahnplanungen

Ausbau im Schneckentempo

Die Straßenbahn wurde als leistungsfähiges, umweltverträgliches und fahrgastfreundliches Verkehrsmittel wiederentdeckt. Nachdem sie aus dem Stadtzentrum verdrängt und in West-Berlin gar ganz abgeschafft worden war, werden nun wieder neue Strecken gebaut. Doch leider kommt in Friedrichshain der wünschenswerte Ausbau der Straßenbahn nur im Schneckentempo voran.

Als am 28. Mai letzten Jahres die Verlängerung der Linie 20 über die Warschauer Brücke hinweg direkt zum U-Bahnhof Warschauer Straße eröffnet wurde, war das die erste wirkliche Neubaustrecke in Friedrichshain seit über zehn Jahren. Die 400 Meter lange Trasse erleichtert nun zwar das direkte Umsteigen in die U-Bahn, vor einem Brückenschlag Richtung Kreuzberg macht die Straßenbahn jedoch Halt. Nach der Bornholmer Straße zwischen Prenzlauer Berg und Wedding war hier seit langem das zweite Einfallstor der Straßenbahn in die Westbezirke geplant. Bei der Restaurierung der Oberbaumbrücke wurden 1994 sogar schon vorsorglich Gleise in die Fahrbahn eingelassen, doch bis darauf die erste Tram fährt, wird es voraussichtlich noch viele Jahre dauern.

Bis zum Neuköllner Verkehrsknotenpunkt Hermannplatz soll die Linie 20 einmal geführt werden. "Wir erhoffen uns davon ein großes Fahrgastpotenzial", sagt Jürgen Sember vom Bereich Straßenbahn bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Doch Neubaustrecken sind Senatssache, Jürgen Sember schätzt daher, dass die Verlängerung zum Hermannplatz nicht vor 2007 fertig wird. "Das ist wohl auch von der finanziellen Seite nicht früher machbar", meint er mit Blick auf den chronisch klammen Landeshaushalt. Mirko Assatzk, Sprecher des Runden Tisches Verkehr Friedrichshain, dauert das zu lange: "Wir hoffen, dass die Verlängerung noch vor 2005 kommt."

Doch die Prioritäten liegen bei den Neubauvorhaben zur Zeit in Mitte:
Als nächstes werden Gleise durch die Leipziger Straße Richtung Potsdamer Platz verlegt und der künftige Zentralbahnhof über die Invalidenstraße an das Straßenbahnnetz angeschlossen. Zurückstehen muss da auch die geplante Anbindung des Ostbahnhofs. Schon zu DDR-Zeiten war der Bau einer Straßenbahn von der Landsberger Allee über die Friedenstraße und die Straße der Pariser Kommune zum Ostbahnhof vorgesehen, der schon lange darunter leidet, weder an die U-Bahn noch an die Straßenbahn angeschlossen zu sein.

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Neu ist die Idee, diese geplante Strecke auf einer Brücke über die Spree weiter nach Kreuzberg zu führen. Die Realisierung steht jedoch in den Sternen. "Weit nach 2005", meint Mirko Assatzk.

Vor 2005 dürfte auch die direkte Heranführung der Straßenbahn an das Ostkreuz nicht zustande kommen. Der langwierige Umbau des Bahnhofes Ostkreuz liegt in den Händen der Deutschen Bahn AG, die demnächst das Planfeststellungsverfahren einleitet. Die Straßenbahnplanung muss sich dem unterordnen. Die Linie 21 soll aus der Boxhagener Straße in die Sonntagstraße verlegt werden, das Ostkreuz queren und auf Lichtenberger Seite in der Marktstraße die alte Trasse wiederaufnehmen. "Wir sind sehr daran interessiert, unseren Fahrgästen bessere Umsteigemöglichkeiten zu bieten", befürwortet Jürgen Sember von der BVG die Verlegung der Trasse.

Diskutiert wird noch, wo die Straßenbahn von der Boxhagener auf die Sonntagstraße verschwenkt werden soll. Drei Varianten stehen zur Debatte: über die Gryphiusstraße, durch die Holteistraße oder über die Lenbachstraße. Die Holteistraße erscheint dabei als die beste Lösung, weil sie die kürzeste Variante darstellt und ihr Straßenquerschnitt etwa einen Meter breiter ist.

Beim Neubau von Straßenbahnstrecken werden zukünftig nur noch schallgedämpfte Gleise eingebaut, versicherte Jürgen Sember während einer Sitzung des Runden Tisches. Die Schienen werden mit Gummiprofilen ummantelt, Lärm und Erschütterungen werden dadurch weitgehend minimiert. Damit wird die Forderung des Gremiums nach einem Lärmminderungsprogramm für Straßenbahnen aufgenommen. "Die Sanierung des Gleisbetts ohne entsprechende Lärmschutzmaßnahmen - wie bei der Linie 23 in der Wühlischstraße passiert - darf sich nicht wiederholen", heißt es in einem Votum des Runden Tisch Verkehr.

Kommt nicht vor 2005: Geplante Trasse der Tram 21 zum Ostkreuz


Der Runde Tisch Verkehr Friedrichshain bereitet unter dem Titel "Brücken schlagen" ein Bürgerforum über die Entwicklung bürgerfreundlicher Verkehrsbeziehungen zwischen Friedrichshain und Kreuzberg vor, das am 29. März stattfinden soll. Nähere Informationen bei
Mirko Assatzk,
Fon 23 24-25 20

Das Heimatmuseum hat die Ausstellung "Auf Wasser und Schienen - Friedrichshainer Verkehrswege" bis in den Mai verlängert. Heimatmuseum Friedrichshain in der Alten Feuerwache, Marchlewskistraße 6,
10243 Berlin,
Di. und Do. 11 bis 18 Uhr,
Sa. 13 bis 18 Uhr,
Eintritt frei.

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