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FRIEDRICHsHAIN im Gespräch (1)

Potenziale ohne Ende

Tilo Tragsdorf, Leiter des Büros für Wirtschafts- und Projektberatung (BWP), über die "Pflege des Wirtschaftsstandortes Friedrichshain".

FRIEDRICHsHAIN: Dass Friedrichshains Gastronomie brummt, ist mittlerweile bekannt. Aber zieht es auch andere Gewerbetreibende hierher?

Tragsdorf: Friedrichshain ist seit einiger Zeit ganz klar ein gefragter Wirtschaftsstandort. Indikator dafür ist die Nachfrage nach Gewerbeflächen, die seit ein, zwei Jahren wächst. Am begehrtesten sind Fabriketagen, zum Beispiel für Multimedia, Handwerk, Kultur, Beratung und ähnliche Nutzungen - und zwar sowohl sanierte als auch unsanierte, das spielt gar keine Rolle. Auch preiswerte Erdgeschossflächen werden nachgefragt. Sie sind vor allem für Existenzgründer im Kreativ- und Kulturbereich interessant. Der Trend geht insgesamt eindeutig zum Dienstleistungsbereich. In den Sanierungsgebieten Warschauer Straße und Samariterviertel hat sich dieser Bereich seit 1997 fast verdoppelt. Die anderen Branchen sind in etwa gleichgeblieben. Beim Gebiet um den Traveplatz geht es dagegen nur sehr langsam voran. Diplomatisch formuliert könnte man hier von einer Stagnation auf niedrigem Niveau sprechen.

FRIEDRICHsHAIN: Mit welchen Pfunden kann der Bezirk wuchern?

Tragsdorf: Zum Beispiel mit seinen zahlreichen Gewerbehöfen. Allein im Gebiet um die Warschauer Straße gibt es 27 Höfe - ein riesiges Potenzial! Sie ziehen Arbeitsplätze an, denn die Menschen in den Büros wollen in der Mittagspause auch mal etwas essen oder zum Friseur gehen. Einzigartig in Umfang und Qualität ist auch die Struktur der Wirtschaftsförderung in den Sanierungsgebieten: So gibt es hier bei der Sanierung auch für das Gewerbe Sozialplanverfahren und Betreuung. Ein weiterer Pluspunkt: Es gibt eine zentrale Anlaufstelle fürs Gewerbe. Das ist sehr wichtig, denn Gewerbetreibende haben keine Lust, von einer Stelle zur nächsten zu laufen. Im Büro für Wirtschafts- und Projektberatung können sich interessierte Unternehmen und Existenzgründer kostenlos über Ansiedlungs- und Fördermöglichkeiten beraten lassen und die Gewerberaumbörse gibt Auskunft über geeignete freie Flächen. Dass dem Gewerbe eine so große Bedeutung zugemessen wird, ist verglichen mit anderen Bezirken eher die Ausnahme. Hier wurde erkannt, dass man einen Standort auch pflegen muss.

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FRIEDRICHsHAIN: Stichwort Leerstand: Ist die Lage wirklich so rosig?

Tragsdorf: Nach unseren Erhebungen stehen rund 25 Prozent der Flächen in den Sanierungsgebieten leer - mit einem ähnlich hohen Leerstand haben allerdings auch andere Bezirke zu kämpfen. Man sollte eine Zwischennutzung fördern, schon um das Erscheinungsbild zu verbessern. Beispielsweise könnte Kunst präsentiert werden oder man könnte an studentische Existenzgründer billig vermieten. Schwierig ist nach wie vor die Situation des Einzelhandels. Der Trend zur Konzentration ist nicht aufzuhalten. Ein anderes Problem - zugleich aber auch eine große Entwicklungschance - sind die großen Brachindustrieflächen rund um den Ostbahnhof, die zum Teil im Eigentum der Bahn sind. Die Frage ist: Was macht man damit?

FRIEDRICHsHAIN: Wo sehen Sie Anzeichen für eine Entwicklung hin zum modernen Dienstleistungsstandort?

Tragsdorf: Zum Beispiel in der Oberbaum-City, die sich nach einer anfänglichen Durststrecke zu einem interessanten Multimedia-Kreativstandort entwickelt. Vorzeigeprojekt ist natürlich auch - zu Recht - der Comeniushof, der preiswerte Flächen für Handwerker und Dienstleister anbietet. Auch die Schreibfedernpassage ist mit ihrem Branchenmix ein gelungenes Beispiel einer Standortentwicklung. Nach meiner Einschätzung gibt es im Bezirk Potenziale ohne Ende.









"Dem Gewerbe wird im Bezirk große Bedeutung zugemessen": Tilo Tragsdorf, Leiter von BWP


Ausstellung
"Gewerbe in Friedrichshainer Sanierungsgebieten",
Grünberger Straße 57

Broschüre
"Friedrichshain - ein Wirtschaftsstandort im Herzen Berlins", erhältlich bei der Bürgerberatungsstelle.

Bürgerberatung Friedrichshain
Petersburger Straße 86/90,
10247 Berlin
Montag und Dienstag 9 bis 12, 13 bis 15 Uhr,
Donnerstag 9 bis 12, 15 bis 18 Uhr,
Freitag 9 bis 12 Uhr

Weitere Informationen
www.gewerberaumboerse.de
www.oberbaum-city.de



Die Schreibfedernpassage in der Boxhagener Straße: gelungenes Beispiel einer Standortentwicklung

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