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Rigaer Straße 94

Starkstrom für das Hinterhaus

Der Konflikt um das Hausprojekt Rigaer Straße 94 hält seit Jahren an. Zuletzt fand im Mai 2003 die Räumung von fünf Wohnungen unter massivem Polizeischutz statt. Ein Wachdienst kontrollierte wochenlang die restlichen Bewohner beim Betreten des Hauses. Nun hat eine ehemalige Sekretärin von Dr. Suitbert Beulker, dem Eigentümer der Rigaer Straße 94, ausgepackt und einen erschreckenden Einblick in die internen Praktiken des Hausbesitzers gewährt.

Suitbert Beulker gehören mehrere Häuser in Friedrichshain, darunter auch die Rigaer Straße 94, dessen Hinterhaus und Seitenflügel 1990 besetzt worden waren. Den zuvor noch mit der Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain abgeschlossenen Rahmenvertrag erkannte Beulker jedoch nicht an, stattdessen setzte ein eskalierender Kleinkrieg mit den Bewohnern ein (siehe auch "Kauft euch doch ein eigenes Haus" in FRIEDRICHsHAIN 3/2001, Seite 3). Sämtliche Versuche von Bezirks- und Abgeordnetenhauspolitikern, den Eigentümer am Runden Tisch zu einer gütlichen Einigung zu bewegen, blieben erfolglos. Stattdessen ließ Beulker zunächst die Vereinsräume und später einzelne Wohnungen räumen, die er dann von Bauarbeitern bis zur Unbewohnbarkeit verwüsten ließ. Beulker ließ keinen Zweifel daran, dass er am liebsten das ganze Haus polizeilich räumen lassen wollte.

Nun hat die Ex-Sekretärin Beulkers, Franziska Hobrecht*, schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber in einem Artikel in der Berliner Tageszeitung"taz"vom 23. Dezember 2003 erhoben. Drei Jahre lang war Hobrecht offiziell als Sekretärin in Beulkers Baufirma angestellt, inoffiziell kümmerte sie sich auch um seine Häuser. Nachdem ihr Lohn monatelang ausblieb, kam es im September 2003 zum Bruch und sie nahm Kontakt mit den Bewohnern des Hausprojekts Rigaer Straße 94 auf."Ich wollte Herrn Beulker die weiße Weste ausziehen", so Hobrecht. Nach ihren Erfahrungen waren chronische Geldnöte bei Beulker an der Tagesordnung. "So seien schon mal Werkzeuge von den betroffenen Firmen als Pfand einbehalten worden. Häufiger seien auf Initiative von Gläubigern Beulkers Konten gesperrt worden", heißt es in der "taz" unter Berufung auf die Sekretärin. Des weiteren habe sich der Unternehmer immer wieder auf Kosten anderer finanziell Luft verschafft. Mehrere Beschäftigte seien entlassen worden, nachdem sie monatelang keinen Lohn erhielten. Vom Arbeitsamt habe Beulker zum Teil weiter Fördergelder kassiert. Auch die eskalierende Situation in der Rigaer Straße hat Hobrecht unmittelbar mitbekommen. Mehrfach habe Beulker erklärt, er "werde das Haus schon leerbekommen". Dazu hat er im Beisein der Sekretärin einem Elektriker den "unkonventionellen Vorschlag" gemacht, die Stromversorgung des Hinterhauses an den Baustellen-Starkstrom anzuschließen. Der Elektriker hat dies entsetzt von sich gewiesen. Alle diese Angaben hat Hobrecht gegenüber der Justiz mit einer eidesstattlichen Erklärung untermauert.

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Eskalierender Kleinkrieg um die Rigaer Straße 94

Suitbert Beulker ruft gerne die Gerichte an. Auch gegen diese Darstellung ist er per einstweiliger Verfügung vorgegangen. Doch am 20. April hat die Pressekammer des Landgerichts die einstweilige Verfügung bis auf einen Punkt komplett wieder aufgehoben. Während des turbulenten Prozesses hatte Beulker bestritten, dass irgendetwas von den Angaben stimmte. Doch die Beweislast war so erdrückend, dass er sich während der Verhandlung "korrigieren"und Sachverhalte, die die Sekretärin dem Gericht mitteilte, schließlich bestätigen musste. Der die taz vertretende Rechtsanwalt Johannes Eisenberg stellte daraufhin klar: "Über Dr. Suitbert Beulker, den berüchtigten Eigentümer des Hausprojekts Rigaer Straße 94, durfte Weihnachten 2003 unter Berufen auf seine frühere Sekretärin geschrieben werden, er stehe anscheinend vor dem Konkurs." Einzig die Angabe, wie hoch die konkrete Schuldenlast ist, konnte vor Gericht nicht beweiskräftig belegt werden. "Ich hatte lediglich ein grobes Gedächtnisprotokoll darüber anfertigen können,welche Forderungen gegenüber Beulker mir bekannt sind", so die Erklärung Hobrechts gegenüber FRIEDRICHsHAIN.

Derzeit ist noch offen, ob der gesamte Vorgang der Staatsanwaltschaft zur Prüfung übergeben wird.Die Bewohner der Rigaer Straße 94 sind von den Ereignissen nicht überrascht. Auch in den übrigen Beulker-Häusern fanden in letzter Zeit Mieterversammlungen statt. Sollte es zu einem Konkursverfahren kommen, rechnet man mit einer Zwangsverwaltung der Häuser.

* Name auf Wunsch geändert
Eskalierender Kleinkrieg um die Rigaer Straße 94: Jetzt hat die Sekretärin des Hausbesitzers ausgepackt

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