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Teil 3
Stillstand mit Absicht?
"Die Summe der eingeplanten Gelder
spielt für die IBB erst mal keine Rolle",
so Sachs, "da nach Baufortschritt ausgezahlt
wird." Bei der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung sieht man
den Sanierungsstillstand aber vor
allem unter fiskalischen Aspekten.
"Wo das Geld immer knapper wird,
müssen wir begründen, warum wir im
nächsten Jahr wieder soundsoviel haben
wollen", sagt Dieter Geffers, der
Referatsleiter für Stadterneuerung. Im
Jahr 2002 wurden die Mittel aus der
sozialen Stadterneuerung nicht vollständig
ausgeschöpft, die nicht benötigten
Mittel seien aber nicht verloren
gegangen, sondern in die Plattenbausanierung
geflossen."Wir haben Interesse
daran, dass drei Jahre nach der
Bewilligung der Förderung auch abgerechnet
wird", stellt Geffers klar,
"wir sind der IBB auf den Fersen."
Dass die IBB sich alleine auf die Aussage
des Eigentümers verlässt und
den Mietern die "Schuld" für Bauverzögerungen
in die Schuhe schiebt,
kritisiert der Geschäftsführer der Mieterberatungsgesellschaft
ASUM, Werner
Oehlert. Eine schlichte Nachfrage
bei den Mietern oder bei ASUM würde
ein ganz anderes Bild ergeben. Die
Vorbereitungen für den Baubeginn
sind durchaus zeitaufwendig, denn es
müssen Genehmigungen durch das
Bezirksamt erfolgen und Regelungen
mit den Mietern getroffen werden.
Das kann zwischen den Vertragspartnern
manchmal durchaus schwierig
sein, begründet aber keine jahrelange
Bauverzögerung. Außerdem ist nicht
hinnehmbar, dass Eigentümer darauf
beharren, erst mit dem Bau zu beginnen,
wenn alle Mieter ausgezogen
sind. Oehlert: "Wenn von 40 Wohnungen
39 leer stehen und sich diese
über mehrere Gebäudeteile erstrecken,
gibt es keinen Grund, mit dem
Bauen nicht anzufangen."
Das es auch anders geht, lässt sich an
Gebäuden sehen, die zur gleichen Zeit
in das Förderprogramm aufgenommen
wurden wie die "Stillstands"-Häuser.
So ist zum Beispiel die Sanierung des
Hauses Krossener Straße 12 bereits
vollständig abgeschlossen.
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Zwar sind auch Mieter in nicht geförderten
Sanierungsobjekten keinesfalls
vor unliebsamen Überraschungen
sicher: Im Eckhaus Kopernikusstraße
18/18a, Ecke Simon-Dach-Straße 14
liegt die erste Mieterversammlung
fast drei Jahre zurück - saniert wurde
auch dort bis heute nicht. Doch auffällig
ist schon, dass sich die geschilderten
Fälle von langen Leerständen
und nicht vorankommenden Sanierungen
ansonsten fast ausschließlich
auf Häuser mit öffentlichen Förderungen
beziehen. Ebenso auffällig: Fast
alle Häuser gehören Firmen der Padovicz-
Gruppe.
Gerade weil es das Förderprogramm
"Soziale Stadterneuerung" nicht mehr
gibt, ist es unverständlich, dass sich
das Land Berlin keine Sanktionsmöglichkeiten
für den Fall offen hält, dass
Eigentümer die Sanierung verschleppen.
Denn die Eigentümer haben die
Möglichkeit, die Häuser mit der wert-
steigernden Förderzusage teuer zu
verkaufen. Es darf vermutet werden,
dass spekulative Verkaufsabsichten
auch der Grund sind für verschleppte
Sanierungen.
Stellt sich letztlich die Frage, wie es
möglich ist, gerade in Zeiten leerer
öffentlicher Kassen Gelder für Eigentümer
vorzuhalten, die für jeden offen
sichtlich sozial unverantwortlich handeln.
Circa 500 leerstehende Wohnungen
in jahrelanger Sanierungserwartung
belasten nicht nur die derzeitigen
Bewohner bis zur Unzumutbarkeit,
auch für die Quartiere und deren
Image sind die negativen Auswirkungen
von Leerstand und Modernisierungsstau
beträchtlich.
Das Bauträgermodell
Bis 1998 hielt sich der Umfang von
frei finanzierten und von öffentlich
geförderten Modernisierungen und
Instandsetzungen in den Friedrichshainer
Sanierungsgebieten ungefähr
die Waage. Seit 1999 werden die Baumaßnahmen
zunehmend frei finanziert,
Einzeleigentümer treten dabei
kaum noch als Bauherren in Erscheinung.
Seit Ende der Bauförderung
Anfang 2002 werden die Modernisierungen
fast ausschließlich über Bauträgermodelle
finanziert. Dabei werden
die einzelnen Wohnungen bereits
vor der Modernisierung an Anleger
verkauft. Die Bauträgerfirma entwickelt
und saniert mit dem gesammelten
Kapital die Immobilie, die Erwerber
profitieren in der Regel von steuerlichen
Vorteilen.
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