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Privatmodernisierung
Die Anleger sind
vorsichtiger
Nachdem das Land Berlin seine Modernisierungsförderung im
Jahre 2002 eingestellt hat, wird mehr und mehr mit privaten Geldern
saniert. Hans Borger kann auf eine 20-jährige Berufserfahrung
in der Altbausanierung zurückblicken. Unter seiner Ägide sind seit
kurzem auch 15 Häuser in Friedrichshainer Sanierungsgebieten, die
die "Borger & Nodes Wohnungsbaugesellschaft mbH & Co. KG"
seit 1999 auf der Basis von Bauträgermodellen und ohne öffentliche
Fördermittel instandgesetzt und modernisiert hat. Hans Borger
ist Geschäftsführender Gesellschafter von "Borger & Nodes".
FRIEDRICHsHAIN: Wie hat sich der
Markt für Bauträgermodelle in Berlin
entwickelt?
Hans Borger: In letzter Zeit sind viele
Bauträgerfirmen mit der Vermarktung
ihrer Häuser gescheitert. Wenn die Umgebung
nicht stimmt, lässt sich heute
nichts mehr verkaufen. Für Anleger
bleiben die Sanierungsgebiete zwar
auch nach dem Wegfall des Fördergebietsgesetzes
attraktiv, aber auch hier
ist immer entscheidender: Das Objekt
muss eine gute Lage haben, und die
Wohnungen müssen marktgerecht
sein. Wir sanieren am liebsten Häuser
mit bis zu circa 35 Wohnungen. Diese
nicht ganz so großen Objekte können
früher abgeschlossen werden, denn
noch vor Baubeginn müssen die Anleger
den Kaufvertrag unterschreiben,
um die Steuervorteile nutzen zu können.
Stagniert der Verkauf, verzögert
sich auch die Sanierung und Instandsetzung.
FRIEDRICHsHAIN: Hat sich der Anlegertyp
gewandelt?
Hans Borger: Die früheren enormen
Steuervorteile - 50 Prozent der Summe
konnte sofort abgeschrieben werden,
der Rest verteilt auf die nächsten
fünf Jahre - hat viele Leute blind gemacht.
Sie haben sich die Häuser vor
dem Kauf nicht mal angesehen. Die
jetzige 10-prozentige Abschreibung
über zehn Jahre ist seriös. Heute wollen
alle das Objekt vorher kennenlernen
und legen auf Referenzen des Bauträgers
großen Wert. Zur Bauabnahme
erscheinen vor Ort meist 90 Prozent
der Anleger.
FRIEDRICHsHAIN: Ziehen einige Käufer
auch selbst in ihre Wohnung ein?
Hans Borger: Sehr selten, obwohl es
auch da Steuervorteile gibt. Meiner Erfahrung
nach müssen 80 bis 90 Prozent
eines Gebiets saniert sein, bis
auch Selbstnutzer in die Wohnungen
ziehen.
FRIEDRICHsHAIN: Nehmen die Anleger
Einfluss auf die Wohnungsausstattung,
um vielleicht höhere Mieten zu
erzielen?
Hans Borger: Ungefähr ein Fünftel
wünscht sich vielleicht mehr Stuck
oder sehr teure Einbauküchen. Doch
der Hinweis, dass sie das zuvor finanzieren
müssen, aber kaum über die
Mieten wieder hereinbekommen, lässt
die meisten wieder zurückkehren zu
normalen Ausstattungen.
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FRIEDRICHsHAIN: Sie schließen einen
Mietpoolvertrag ab. Was bedeutet das?
Hans Borger: Alle Mieteinnahmen
des Hauses werden gesammelt und -
nach einem Schlüssel aufgeteilt - monatlich
an die Erwerber wieder ausgezahlt.
Es ist eine ,Solidargemeinschaft',
um allen Anlegern annähernd gleiche
Ertragschancen zuzusichern und Ungerechtigkeiten
zu verhindern. So wird
unter anderem das Risiko von Leerstand
und Mietausfall kalkulierbarer,
und Unterschiede in der Miethöhe, wie
beispielsweise bei sanierungsrechtlich
mietpreisgebundenen Wohnungen,
stellen keinen Nachteil dar. Der Mietpoolvertrag
läuft zehn Jahre. Erfahrungsgemäß
haben sich dann die Unterschiede
im Haus ausgeglichen.
FRIEDRICHsHAIN: Im Sanierungsgebiet
existieren nicht nur Mietobergrenzen,
sondern der Bezirk hat auch ein Belegungsrecht
für sanierte Wohnungen.
Wird dadurch deren Vermarktung gehemmt?
Hans Borger: Wenn alle Wohnungen
im Haus an Belegungsrechte gebunden
sind, spielt es natürlich eine Rolle.
Bis zu ungefähr einem 50-prozentigen
Belegungsrecht erzielen wir noch eine
akzeptable Rendite und über den Mietpool
können die Unterschiede ausbalanciert
werden.
FRIEDRICHsHAIN: Mietpreisgarantien
sind beliebt. Geben Sie den Anlegern
diese Garantie?
Hans Borger: Es bringt einem Anleger
nichts, wenn ihm Mietgarantien
versprochen werden. Der Käufer muss
sich selbst umsehen, wie das Mietenniveau
liegt. Früher sind viele Bauträger
an ihren Mietpreisgarantien kaputt
gegangen. Bei Nettoanfangsmieten
unter fünf Euro pro Quadratmeter
sind Garantien zudem völlig unsinnig,
da diese Wohnungen erfahrungsgemäß
problemlos zu vermieten sind.
FRIEDRICHsHAIN: Wird die Finanzierung
von Bauträgermodellen schwieriger?
Hans Borger: In Berlin finanzieren inzwischen
nur noch drei Banken diese
Objekte und bestimmen somit die Anforderungen.
60 Prozent der Wohnungen
müssen verkauft sein, ehe die
Bauträgerfinanzierung anfängt. Also
muss der Bauträger einen schnellen
Vertrieb und entsprechendes Eigenkapital
haben. Während die Banken
früher alles finanziert und damit
schlechte Erfahrungen gesammelt haben,
sind heute zu wenige in diesem
Geschäft tätig. Aber auch dem Enderwerber
von Gewerbeeinheiten geben
die Banken kein Geld mehr. Um Leerstand
zu vermeiden, wandeln wir deshalb
die Gewerbefläche inzwischen
auch in Wohnungen um.
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Hans Borger
ist Geschäftsführender Gesellschafter von "Borger & Nodes".
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