Geschichte(n)  

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100 Jahre Boxhagener Platz

Im Wandel der Bedürfnisse

Der Boxhagener Platz feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum: Anlass für das Quartiersmanagement, den alten und neuen Kiezbewohnern seine Geschichte näher zu bringen. Der Blick zurück zeigt, dass es schon immer unterschiedliche Ansichten darüber gab, was auf dem Platz stattfinden darf und was nicht.

Als im späten Frühling des Jahres 1903 der Boxhagener Platz eröffnet wurde, war rundherum noch Wüste. Noch kein einziges Haus stand am neuen Schmuckplatz, den die Gemeinde Boxhagen- Rummelsburg für 7779,05 Mark anlegen ließ. Die Baumschule Späth aus Treptow hatte die etwa 11000 Quadratmeter große Grünanlage entworfen und bepflanzt. Der Platz wurde im Stil der Kaiserzeit als eine künstlich- barocke, streng symmetrische Schmuckanlage gestaltet: Geschwungene Wege trafen sich in der Mitte an einem Rondell. Die Rasenflächen waren teilweise mit Büschen bepflanzt und mit kleinen Zäunchen eingefriedet. Einige der Bäume stehen heute noch. Zum Betreten waren die spärlichen Rasenflächen nicht vorgesehen. Der Platz eignete sich eigentlich nur zum Flanieren. Nicht einmal an ein Verweilen war gedacht: Noch zehn Jahre nach der Eröffnung waren ganze vier Bänke die einzigen Sitzgelegenheiten dort.

Eigentlich hatte der Boxhagener Platz viel größer werden sollen. Nach dem Hobrecht-Plan von 1862, der die Bau- flächen für die Stadterweiterung Berlins festlegte, war im heutigen Karree zwischen Boxhagener, Simon-Dach-, Grünberger und Gärtnerstraße ein "Platz D" vorgesehen, der mehr als doppelt so groß wie der jetzige Boxhagener Platz gewesen wäre. Dass dieser Plan nicht ausgeführt wurde, ist den Erben der Grundstückseigner zu verdanken. Die Familie Sonntag war die Eigentümerin des Gutes Boxhagen. Deren Erben, vor allem die Familie Wühlisch, waren daran interessiert, ihren Besitz als Bauland möglichst teuer zu verkaufen, und setzten um1900 durch, dass die Baublöcke günstiger geschnitten und die Freiflächen verkleinert wurden.

Dass der Boxhagener Platz viel zu klein und völlig unzweckmäßig gestaltet war, stellte sich schnell heraus. Ab 1904 wurde das Viertel rasant mit typischen Berliner Mietskasernen bebaut. Die vielen zugezogenen Neu-Boxhagener vermissten Einkaufsmöglichkeiten schmerzlich, die nächsten Markthallen waren weit entfernt. Ab dem 1. April 1905 wurde daher auf dem Boxhagener Platz ein Wochenmarkt abgehalten, Marktzeiten waren montags und donnerstags von 5 bis 13 Uhr. Um Platz für die Marktstände zu schaffen, musste der Gehweg um den Platz herum erheblich verbreitert werden.

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Die Ränder der erst zwei Jahre alten Schmuckanlage wurden daher eingeebnet, als reine Grünfläche blieben noch etwa 7000 Quadratmeter übrig. Die Standplätze der Marktbuden wurden in drei Reihen angeordnet und mit größeren, ins Pflaster eingelassenen Steinen markiert, die man heute noch sehen kann.

Wegen des Marktbetriebes hat die Gemeinde 1906 ein Toilettenhäuschen errichtet und an der Krossener Straße eine Wasserpumpe aufgestellt. Was auf dem Markt gehandelt werden durfte, war genau festgelegt:"Rohe Naturprodukte", frische Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse durften verkauft werden, verboten war hingegen der"Hausierhandel", der Verkauf"geistiger Getränke" oder das Mitbringen von Hunden. Verstöße wurden mit Strafen bis zu 30 Mark oder acht Tagen Haft geahndet.

1929 krempelte man den Boxhagener Platz völlig um: Nach dem Entwurf des Berliner Stadtgartendirektors Erwin Barth erhielt die Anlage im westlichen Drittel einen Kinderspielplatz und ein Planschbecken, die restlichen zwei Drittel wurden zu einer Liegewiese. Fast 100 Sitzbänke wurden nun aufgestellt. Diese klar gegliederte, rechtwinklige Aufteilung ist bis heute im Wesentlichen erhalten.

Der neue Platz sollte den Bedürfnissen der Menschen besser entsprechen, doch die Anwohner liefen Sturm gegen die Umgestaltung: Um der Grünanlage einen ruhigen Charakter zu geben, waren nämlich nur drei Zugänge gelassen worden, zwei an der Gärtnerstraße und einen an der Gabriel- Max-Straße. Daher ließ sich den Platz nicht mehr diagonal überqueren und viele Anwohner konnten die Grünfläche nur über einen Umweg erreichen. Der Bezirk Lichtenberg, zu dem der Boxhagener Kiez bis1938 gehörte, ließ jedoch alle Proteste abprallen. Erst nach dem Krieg, den der Boxhagener Platz relativ gut überstanden hatte, erhielt er weitere Zugänge. Seit 1984 steht die Anlage unter Denkmalschutz. 1993/ 94 wurde der Platz wiederhergestellt und seit 2000 kann man auch das Toilettenhaus wieder benutzen.

Geschwungene Wege zum Flanieren, in der Mitte ein Rondell: der Boxhagener Platz zu Kaisers Zeiten





Weitere Infos:
Zum 100-jährigen Jubiläum des Boxhagener Platzes hat das Quartiersmanagement Boxhagener Platz eine Broschüre zur Stadtteilgeschichte herausgegeben: Wanja Abramowski: Boxhagen zwischen Aufruhr und Langeweile, Berlin 2003, 48 Seiten, erhältlich im Quartiersbüro, Krossener Straße 9/10. Außerdem ist bis Ende September ein Ausstellungspfad mit zehn Stationen zur Geschichte des Viertels eingerichtet. Nähere Informationen unter: www.boxhagenerplatz.de.

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