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Teil 2
Stillstand mit Absicht?
Die verbliebenen Mieter in dem Eckhaus
am Boxhagener Platz fühlen sich
zunehmend verunsichert und sind
misstrauisch geworden, wenn Absprachen
zur Sanierung anstehen. Mieterin
Döring kann sich gut daran erinnern,
wie ihr vor langer Zeit zum allerersten
Mal die Pläne ihrer zukünftigen, sanierten
Wohnung präsentiert wurden:
"Der Zuschnitt der Wohnung war verändert,
durch unsere Küche verlief der
Fahrstuhl." Sie war begreiflicherweise
nicht einverstanden. Daraufhin passierte
lange Zeit erst einmal gar nichts
mehr. Irgendwann sehr viel später wurden
die Wohnungen von den Architekten
der Eigentümerin erneut besichtigt.
Es kam zum Kompromiss: Für den
Fahrstuhleinbau wurde ein weiterer
Raum als Flächenausgleich hinzugeplant,
die Mieterin war einverstanden.
Seit Januar 2003 liegt ihr die Modernisierungsvereinbarung
der Eigentümerin
zur Unterschrift vor, als Baubeginn
wurde der 1. Juni 2003 angegeben.
Aber Maria Döring hat nicht unterzeichnet.
Der Haken: Auf dem Papier
fehlt die Unterschrift der Eigentümerin."
Während ich nach der Unterschrift
in die Umsetzwohnung ziehe,
fangen die womöglich noch gar nicht
mit der Sanierung an", so ihre Vermutung."
Wir räumen hier alles frei, und
die Eigentümerin kann tun und lassen, was sie will." Maria Döring will
nicht jahrelang in einer anderen Wohnung
Zwischenstation machen, und
zurückkehren will sie auf jeden Fall.
Das hat seinen guten Grund: In ihrer
Wohnung wurden Bad und Heizung
schon 1990 eingebaut, auch nach der
Sanierung wäre die Miete entsprechend
günstig.
Seit 1999 im öffentlichen Förderprogramm: statt Bauarbeiter kommen Kaufinteressenten in das Haus Bänschstraße 89-91, Ecke Pettenkofer Straße 40 (alle Fotos auf dieser Seite)
Verärgert über die undurchsichtigen
Pläne der Eigentümergesellschaft hat
sie sich inzwischen schriftlich an Bezirksbaustadtrat
Franz Schulz gewandt,
auf den zunehmenden Verfall des
Hauses, die sich ständig verzögernde
Sanierung und das nutzlose Bereitstellen
von öffentlichen Geldern hinzuweisen.
"In der Tat ist es nicht akzeptabel,
dass Fördermittel aus dem
Programm ‚Soziale Stadterneuerung'
über einen so langen Zeitraum blockiert
werden", bestätigt Schulz."Deshalb
ist die Unternehmensgruppe Padovicz
aufgefordert, unverzüglich ein
Einvernehmen herzustellen oder die
rechtlichen Schritte einzuleiten, um
schnellstmöglich mit den Bauarbeiten
beginnen zu können", heißt es in seiner
Antwort von Anfang Juli 2003.
"Des weiteren habe ich die Eigentümerin
nachdrücklich ersucht, ihren
Verpflichtungen gegenüber den Mietern,
insbesondere ihrer Informationspflicht
und ihrer Pflicht zur Aufrechterhaltung
angemessener Wohnverhältnisse
nachzukommen", schreibt
Schulz. Aber er schränkt auch ein:
"Leider gibt es zurzeit weder aus
milieuschutz- noch aus förderrechtlicher
Regelung heraus eine Möglichkeit,
einen sofortigen Baubeginn
durchzusetzen." Maria Döring hat
ihre Miete schon in der Vergangenheit
wegen der unerträglich hohen Heizkosten
und undichter Fenster gesenkt.
Gegen die zunehmende Feuchtigkeit
im Haus wird das nicht viel nützen.
Weiter in der nächsten Spalte 
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Die unerschütterliche Hoffnung aller
Beteiligten, dass jetzt aber wirklich
alle Hindernisse für eine Sanierung
beseitigt sind und sich die Wartezeit
dem Ende zuneigt, wurde Mitte Juni
2003 wieder auf eine Probe gestellt.
Mieter Arne Hoffmann traf auf einen
Mann, der augenscheinlich das entmietete
Haus Grünberger Straße 85
besichtigte. Auf Nachfrage gab sich
dieser als Kaufinteressent zu erkennen.
Ein paar Tage später seien nochmals
andere Besucher im Haus gewesen,
die sich nach Ansicht Hoffmanns
ebenfalls wie Käufer verhielten.
Eine Verkaufsabsicht wurde auf Nachfrage
von FRIEDRICHsHAIN vom
Eigentümervertreter der Häuser Grünberger
84 und 85 ausdrücklich dementiert.
Ein Mitarbeiter der Unternehmensgruppe
Padovicz erklärte:
"Der Baubeginn ist im Oktober 2003".
Er schränkte jedoch ein, dass dies nur
der Fall sein wird, wenn mit den verbliebenen
Mietern Regelungen getroffen
würden. Sollte es zu gerichtlichen
Auseinandersetzungen über die Duldung
von Maßnahmen kommen,"so
werden wir abwarten. Solch ein Prozess
geht relativ zügig voran, wir rechnen mit drei Monaten."
Auch die Sanierung des Eckhauses
Bänschstraße 89-91/Pettenkofer Straße
40 im Samariterviertel hat eine
lange Sanierungsodyssee hinter sich. In
das Förderprogramm schon Mitte 1999
aufgenommen, fanden erste Gespräche mit den Mietern zwischen März
und Juli 2000 statt. Nach komplizierten
Verhandlungen zwischen den Bewohnern
und der Eigentümerin und
dem Hinweis auf den nahenden Baubeginn,
begannen im März 2001 die
ersten Mieter das Haus zu verlassen.
Doch statt Bauarbeiter beobachteten
die Restmieter Kaufinteressenten, die
das Haus mit eindeutigen Absichten
inspizierten. Im Oktober 2001 wurde
das Bezirksamt Friedrichshain darüber
informiert, dass die schon bekannte
"Siganadia Grundbesitz GmbH" aus der
Unternehmensgruppe Padovicz per
Einbringungsvertrag in die "Bänschstraße
89 GmbH & Co. Grundbesitz
KG" übergegangen ist.
Mit dem neuen Investor, einer Bauträgergesellschaft,
begann für die noch
verbliebenden Mieter ein neues Sanierungsverfahren.
Weitere Abstimmungsgespräche
und Umsetzungen folgten.
Doch vermutlich scheiterte die Vermarktung
der Eigentumswohnungen.
Im Oktober 2002 ging die Gesellschaft
wieder an einen neuen Bauträger
über. Dieser Investor hat im Sommer
2003 tatsächlich angefangen zu bauen.
Wenn alles wie geplant läuft, werden
Die Wohnungen, die fast drei Jahre
lang im Sanierungsprozess festhingen,
Ende Dezember endlich fertig sein.
Der Förderbank des Landes Berlin, der
Investitionsbank Berlin (IBB), sind derzeit
12 Häuser in Friedrichshain bekannt,
bei denen trotz der Gewährung
öffentlicher Mittel aus dem Programm
"Soziale Stadterneuerung" noch nicht
mit dem Bauen begonnen wurde. Die
Förderverträge schreiben erstaunlicherweise
nicht fest, wann der Bau
begonnen und abgeschlossen sein
muss. Der Eigentümer muss das Land
Berlin also nicht von sich aus über
Verzögerungen informieren. Die IBB
hat in den zwölf Fällen nachgefragt:
"Als Ursachen für die Verzögerungen
des Baubeginns wurden uns von den
Eigentümern in zehn Fällen Probleme
mit den Mieterauszügen angegeben"
sagt IBB-Pressesprecher Uwe Sachs,
"in zwei Fällen gab es Eigentümerwechsel".
Weiter mit Teil 3
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