|
Max-Kreuziger-Straße
Wohnen im Klassenzimmer
Die ehemalige Max-Kreuziger-Schule an der Böcklinstraße wird nach langem Leerstand neu genutzt. Eine Investorengruppe er-warb das imposante Gebäude vom Liegenschaftsfonds Berlin und will die Schulräume nach Plänen des Architekturbüros Arin + Partner in hochwertige Wohnungen umbauen.
Vier Jahre dauert nun schon der Dornröschenschlaf der ehemaligen Max-Kreuziger-Schule. Seit 2001 steht das denkmalgeschützte Gebäude in der Böcklinstraße 1-5 leer. Nachdem die Schule wegen zurückgehender Schülerzahlen geschlossen werden musste, ging das Gebäude an den Liegenschaftsfonds Berlin, dessen Aufgabe es ist, landeseigene Grundstücke möglichst gewinnbringend zu versilbern. Obwohl es mehrere Interessenten gab, zog sich der Verkauf der Schule in die Länge Jahre, in denen der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterließ. Der Putz bröckelt von den Wänden und schon mehrere Fensterscheiben sind zu Bruch gegangen. Der Schulhof wuchert langsam aber sicher zu, und es wird immer wieder Müll über den Zaun gekippt.
Spätestens im nächsten Frühjahr soll der Verfall ein Ende haben, dann soll der Umbau beginnen. Eine Investorengruppe hat mit ihrem ungewöhnlichen Konzept, die Schule zu einem noblen Wohngebäude umzubauen, den Zuschlag vom Liegenschaftsfonds erhalten. Die Umbaupläne sind fertig, der Bauantrag wird zur Zeit im Bezirksamt bearbeitet. Architekt Cihan Arin: Wir hoffen, dass das Baugenehmigungsverfahren im August abgeschlossen wird. Wenn alles nach Plan läuft, soll Ende 2006 der erste Abschnitt, die südliche Gebäudehälfte an der Sonntagstraße, fertig sein. Die zweite Hälfte soll 2007 folgen.
Es wird dann nichts mehr an das Kratzen der Kreide an der Tafel oder an den Angstschweiß der Schüler vor dem Vokabeltest erinnern. Geplant sind 66 großzügige Eigentumswohnungen, aber auch einige kleinere Appartments. Die Größen liegen zwischen 65 und 150 Quadratmetern. Die meisten Wohnungen sollen sich nach dem Haus-im-Haus-Konzept, so Architekt Arin, über mehrere Ebenen erstrecken. So soll zum Beispiel im Bereich der Aula im obersten Geschoss eine Etage eingezogen werden. Hier werden Maisonettewohnungen entstehen, die auch noch einen direkten Zugang zum Flachdach bekommen, und somit sogar eine dritte Ebene erhalten. Den Hochparterrewohnungen werden auf dem bisherigen Schulhof eigene große Gartenflächen zugeordnet. Im Souterrain werden drei behindertengerechte Wohnungen eingerichtet, die ebenfalls eigene Terrassen zur Gartenseite bekommen. Der Schulhof soll zu einem grünen Wohnhof mit Brunnen umgestaltet werden. Was mit der ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Turnhalle an der Seite zum Wühlischplatz geschehen soll, ist noch unklar. Die Planer wünschen sich hier Gewerbe, das nicht stört.

Zukünftige Ansicht:
Eine filigrane Gestaltung bewahrt die denkmalgeschützte Außenansicht
Weiter in der nächsten Spalte 
|

Die Preise für die Wohnungen im Max-Kreuziger-Haus, wie es dann heißen soll, bewegen sich im oberen Marktsegment. Interessenten, die eine Wohnung für sich selbst erwerben oder als Kapitalanlage zum Weitervermieten kaufen wollen, werden etwa 2000 Euro pro Quadratmeter hinblättern müssen. Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, können Erwerber die erhöhte Steuerabschreibungsmöglichkeit nach Paragraf 7i des Einkommensteuergesetzes (die so genannte Denkmal-AfA) in Anspruch nehmen. Cihan Arin schätzt, dass dadurch etwa 75 bis 80 Prozent der Umbaukosten abschreibungsfähig sein werden. Die Denkmal-AfA ist jedoch weniger attraktiv als die Steuerabschreibungsmöglichkeiten in Sanierungsgebieten. Das Sanierungsgebiet Traveplatz/Ostkreuz endet direkt vor dem Grundstück der Max-Kreuziger-Schule.
Die Denkmalschutzbehörden zeigen sich mit dem Umbaukonzept einverstanden. Äußerlich bleibt das Gebäude weitgehend im Originalzustand. Es werden lediglich Balkons angebracht, die filigran gestaltet sind, damit sie das ursprüngliche Erscheinungsbild nicht stören. Im Inneren sind aber größere Eingriffe in die Bausubstanz unumgänglich. Für Wohnzwecke hat das Gebäude zu tiefe Räume, es käme zu wenig Licht in die Zimmer. Daher soll im Bereich der beiden Treppenhäuser je ein Lichtschacht aufgebrochen werden. Hier werden auch Aufzüge entstehen.
Aus denkmalpflegerischer Sicht wäre eine neue schulische Nutzung allerdings unproblematischer. Unter den vielen Interessenten für die ehemalige Max-Kreuziger-Schule waren unter anderem auch eine Sprachenschule und die renommierte Schauspielschule Ernst Busch. Schulische Einrichtungen wie diese hätten für eine Nutzungskontinuität gesorgt und wären dort mit viel geringerem Aufwand und ohne große Umbauten anzusiedeln. Spannender ist der Umbau der Schule zu Wohnungen jedoch allemal. Im Erfolgsfall könnte er ein Modellfall für die Umnutzung von leer stehenden Schulen werden auch wenn das Gebäude der Max-Kreuziger-Schule ziemlich untypisch ist.
Die Schule wurde 1953/54 anstelle eines kriegszerstörten Vorgängerbaus errichtet. Sie entstand nach den Plänen des Schweizers Hans Schmidt, der schon in den 20er Jahren zu den Vorreitern desNeuen Bauens zählte, in den 30ern in der Sowjetunion arbeitete und nach dem Krieg in die DDR übersiedelte. Die Architektur der Schule orientiert sich stilistisch am sozialistischen Neoklassizismus, wie er zur gleichen Zeit an der Stalinallee Blüten trieb. Der ideologische Anspruch war seinerzeit sehr hoch:Schulpaläste sollten die Bedeutung des sozialistischen Bildungsauftrags angemessen widerspiegeln. Deshalb wurden in krassem Widerspruch zu der damaligen Not in den ersten Aufbaujahren teure Baumaterialien wie Travertin und Edelhölzer benutzt und aufwändige Handwerkstechniken wie Steinintarsien, Edelputz, Sgraffito-Bänder und Stukkaturen angewendet. Weil der Baubeispielhaft das mit hohem Anspruch vorgetragene Schulkonzept der frühen 50er Jahreverkörpert, wurde die Max-Kreuziger-Schule unter Denkmalschutz gestellt.
Am Tag des offenen Denkmals kann die Schule besichtigt werden. Doris Schollmeyer und Torben Kiepke haben an der TU Berlin ihre Abschlussarbeit im Masterstudiengang Denkmalpflege über die Max-Kreuziger-Schule gemacht und bieten am Sonntag, den 11. September um 13, 15 und 17 Uhr kostenlose Führungen über den Hof und ins Gebäude an.
|
|