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Boxhagener Straße
Lange Straße mit ungewisser Richtung
Hostel- und Tourismusboom auf der einen Seite, Leerstand und Vernachlässigung auf der anderen – wohin sich die Boxhagener Straße entwickelt, ist schwer abzuschätzen. Das Stadtteilbüro Friedrichshain hat das Thema zum Gegenstand einer Informations- und Diskussionsveranstaltung gemacht, bei der auch eine Zwischenbilanz über die bisherigen Umgestaltungen gezogen wurde.
Einige der im Juli 2009 vereinbarten Veränderungen sind bereits Realität, anderes lässt noch auf sich warten, manches hat sich als nicht machbar herausgestellt. Das liegt vor allem daran, dass sich in der Zwischenzeit eine der wichtigsten Rahmenbedingungen komplett geändert hat: Bei der Durchführung des Workshops hatte die BVG noch fest geplant, ab etwa 2016 die Straßenbahn aus der Boxhagener Straße herauszunehmen. Nach einer Rolle rückwärts steht nun fest, dass die Straßenbahn weiter durch die Boxhagener Straße fährt. Der Betrieb soll sogar zu einem 10-Minuten-Takt verdichtet werden. Weitreichende Ideen zur Umgestaltung des Straßenraums, wie sie im Workshop vor zwei Jahren geäußert wurden, kann man nun vergessen. Zebrastreifen oder Mittelinseln als Querungshilfe für Fußgänger bleiben wegen des Straßenbahnverkehrs unmöglich.
Was unabhängig von der Straßenbahn-Frage geplant worden war, wurde in die Wege geleitet. Seit Frühjahr 2011 ist das Gehwegparken zwischen Warschauer Straße und Wismarplatz aufgehoben und Längsparken am Fahrbahnrand angeordnet. "Nach ein paar Wochen hatte sich das eingependelt", sagt Tiefbauamtsleiter Helmut Schulz-Herrmann. "Der Gehweg wirkt dadurch nicht mehr so eng", freut sich Anwohner Hans-Ulrich Voigt. Die schadhaften Stellen im Pflaster des Bürgersteigs wurden ausgebessert und Baumpflanzflächen zwischen Warschauer und Simon-Dach-Straße neu angelegt. Was noch fehlt, sind die Bäume. Sie werden spätestens im Frühjahr gepflanzt. Auch die vereinbarten Fahrradbügel werden noch am Rand des Gehwegs aufgestellt.
Umwälzungen ganz anderer Art kommen auf den östlichen Teil der Boxhagener Straße zu. An der Ecke Holteistraße wird zur Zeit ein neues Hotel gebaut, und kurz hinter der Lichtenberger Grenze wird das ehemals von der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft genutzte Gebäude in Deutschlands größte Jugendherberge umgebaut.
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Auch die künftige Entwicklung des ehemaligen Betriebsgeländes der Firma Freudenberg zwischen Boxhagener und Weserstraße wird die Straße sehr verändern. Hier soll ein gemischtes Wohngebiet, eine Kita für 100 Kinder, eine öffentliche Grünanlage und ein Nahversorgungszentrum mit 4000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Der Bezirk hat dazu die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. Bei der Suche nach einem Käufer ist Freudenberg offenbar fündig geworden. Der Abriss der Betriebsgebäude und der Bodenaustausch soll bereits im nächsten Jahr erfolgen.
Problematisch steht es um den Einzelhandel in der Boxhagener Straße. Immer mehr kleine Läden müssen schließen. So hat kürzlich auch die Aesculap-Apotheke in der Boxhagener Straße 18 zugemacht, deren Inhaberin sich jahrelang für die Begrünung und Verschönerung der Straße engagiert hatte. Dagegen breiten sich vor allem Spätkaufläden aus, deren Angebot auf die Rund-um-die-Uhr-Versorgung von Kiezbesuchern und Touristen zugeschnitten ist. Es gibt auch einen verhältnismäßig großen Ladenleerstand. Eigentümer warten offenbar lieber lange auf einen zahlungskräftigen Gewerbemieter, als mit ihren Mietforderungen herunterzugehen. Nicht mehr nur in der Simon-Dach-Straße werden Gewerbemieten von 20 Euro pro Quadratmeter verlangt.
Das langsame Aussterben der alteingesessenen Läden liegt aber auch an den Bewohnern. Viele kaufen ihre Schnitzel abgepackt beim Discounter anstatt beim Fleischer um die Ecke. Dieses Kaufverhalten kann man nicht mehr damit erklären, dass die Leute auf jeden Pfennig achten müssen, denn unter den Friedrichshainern gibt es einen wachsenden Anteil wohlhabender Quartiersbewohner. "Der Markt auf dem Boxhagener Platz zeigt, dass das Potenzial da ist", sagt Marina Nowak, Leiterin der bezirklichen Wirtschaftsförderung. Dort sind die Kunden durchaus bereit, etwas mehr zu zahlen.
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Rückwärtsrolle: Die Straßenbahn bleibt
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