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Graffiti

Kunst contra Krakel

Friedrichshain-Kreuzberg gilt als Hochburg der illegalen Sprayer-Szene, was im öffentlichen Raum auch nicht zu übersehen ist. Besonders ärgerlich für Hauseigentümer, aber auch für viele Anwohner ist es, wenn frisch sanierte Fassaden schon nach kürzester Zeit vollgekritzelt werden. Was tun gegen solche Wandschmierereien?

Um Kunstwerke handelt es sich bei solchen Verunstaltungen nicht, auch politische Parolen sind eher die Ausnahme. In der Regel sind es so genannte Tags, Signaturkürzel, mit denen sich die Sprüher verewigen beziehungsweise ihr "Revier" markieren wollen. Manche Hausverwaltungen lassen die Krakel von Zeit zu Zeit durch den Hausmeister mit einem Hochdruckreiniger entfernen. Andere beauftragen eine Spezial-Firma, die den Verschmutzungen mit Chemikalien oder dem Laser zu Leibe rücken. In einigen Großstädten gibt es sogar Förderprogramme, mit denen die Entfernung bezuschusst wird. In Berlin bleiben die Eigentümer dagegen fast immer auf den Kosten sitzen. Die Gebäudeversicherung zahlt in der Regel nicht, und eine Abwälzung auf die Mieter über die Betriebskosten ist auch nur möglich, wenn es sich um regelmäßig anfallende Arbeiten handelt. Anti-Graffiti-Beschichtungen, mit denen vor allem öffentliche Gebäude vorbeugend versehen werden, sind für private Hauseigentümer meist zu teuer. Viele von ihnen haben daher den "Kampf gegen Windmühlen" längst aufgegeben. Die Folge: Ganze Straßenzüge wirken verwahrlost.

Auch die Eingangstür der Grünberger Straße 47 war bis vor kurzem über und über mit Tags verunstaltet. Bei der Sanierung 1996 war ein knallweißes Tor eingesetzt worden. "Für die zahlreichen Schmutzfinken in unserer Gegend war das schon fast eine Einladung", berichtet eine Bewohnerin. Angeregt durch die effektvoll bemalte Fassade des Eckhauses an der Wühlisch- und Holteistraße vermittelte sie der Hausverwaltung den Kontakt zum Graffiti-Künstler Sebastian Imm. Im August dieses Jahres wurde er schließlich vom Hauseigentümer mit der Gestaltung beauftragt. Seitdem prangt auf dem Eingangstor eine leuchtend gelbe Blüte mit einer Biene. Die Hausverwaltung ist ausgesprochen zufrieden mit der Aktion. Bis auf einen kleinen Kringel blieb das Tor bislang von Tags verschont.

 

 

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Auch die Fassade in der Wühlisch-,Ecke Holteistraße – ebenfalls von Sebastian Imm bemalt – blieb bis dato frei von Schmierereien, und das seit fast vier Jahren. "Und wenn doch etwas passiert, kann ich das auch relativ einfach wieder ausbessern", erklärt Sebastian Imm, der in ganz Berlin Fassaden und Garagentore gestaltet. Nach seiner Erfahrung bieten bemalte Hauswände auch langfristig einen guten Schutz gegen unerwünschte "Kunst". Eigentlich verstößt es nämlich gegen den Ehrenkodex der Szene, fremde Werke zu verunstalten. Doch vor allem bei den ganz jungen Sprayern, so Imm, sei dieser Respekt immer weniger verbreitet.

Allerdings ist die so genannte Auftrags-Graffiti ein Balanceakt zwischen künstlerischem Anspruch und Kundenwünschen. Allzu auffällige oder provokant bemalte Fassaden sollen es meist nicht sein. In jedem Fall muss die Gestaltung mit den Auftraggebern abgesprochen werden. Manchmal haben die Kunden selber ein Motiv im Kopf, andere sind offen für Vorschläge. "In der Grünberger Straße wollte ich ursprünglich einen knallgrünen Frosch malen, der die Passanten anschaut", erzählt Sebastian Imm. Doch die Hausverwaltung hatte Bedenken. Von der Biene waren am Ende sowohl Kunde als auch Künstler begeistert. Die Fassadengestaltung an der Ecke Wühlisch- und Holteistraße war ausdrücklicher Wunsch der Hausbesitzerin gewesen. Über das gesamte Eckhaus verteilt sind typische Berlin-Motive aufgemalt, etwa das Brandenburger Tor, die Oberbaumbrücke oder Zille-Figuren. Zweieinhalb Wochen hat Sebastian Imm an dem Werk gearbeitet.

Jedes Haus bunt zu bemalen, kann aber auch nicht die Lösung sein, das wäre eindeutig zu viel des Guten. Eine andere, ebenso schöne Möglichkeit sind begrünte Fassaden. Wo sich Efeu oder Knöterich die Hauswand emporranken, kommen Sprayer nicht zum Zuge. Zunehmend setzen Hauseigentümer auch auf Abschreckung durch Videoüberwachung. Insgesamt wird man aber damit leben müssen, dass es in Friedrichshain anders aussieht als in Frohnau. Manch einer befürchtet ohnehin schon, dass Friedrichshain allzu sehr durchgestylt wird.

friedrichshain-magazin Stichhaltge Maßnahme: Graffiti-Kunst am Eingang zur Grünberger Straße 47

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