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Warschauer Straße

Potenzial am Straßenrand

Die Warschauer Straße soll umgebaut werden. Der Bezirk hat dazu eine erste Machbarkeitsstudie vorgestellt. Die wichtigsten Neuerungen: Die Radfahrer bekommen eine eigene Spur auf der Fahrbahn, die Gehwege werden etwas verbreitert und es werden Anlieferzonen eingerichtet. Dafür entfallen die meisten Parkplätze am Straßenrand. Über eine Parkraumbewirtschaftung wird erneut nachgedacht.

Verkehrsthemen ziehen immer: Der Veranstaltungssaal der Dathe-Oberschule war gut gefüllt, als das Bezirksamt im Juni die ersten Planungen zum Umbau der Warschauer Straße vorstellte. Das große Interesse ist kein Wunder, haben doch nahezu alle Verkehrsteilnehmer ihre Probleme mit den Zustand der Warschauer Straße: Autofahrer stehen im Stau und finden keinen Parkplatz, Radfahrer fühlen sich auf der Straße zwischen Lastern und parkenden Autos gefährlich eingezwängt, und Fußgänger werden von Radfahrern gefährdet, die illegal auf die Gehwege ausweichen. Außerdem fürchten die Gewerbetreibenden um die Erreichbarkeit ihrer Läden, und Anwohner stöhnen über den Lärm und die Abgase.

Besonders große Spielräume für eine Umgestaltung gibt es nicht. Die Mittelpromenade und die Lage der Straßenbahngleise werden nicht angetastet. Die Warschauer Straße ist Teil des Hauptverkehrsnetzes und hat täglich 25 000 bis 30 000 Kraftfahrzeuge pro Richtung zu bewältigen, also mehr als 1000 Fahrzeuge pro Stunde. Daher müssen auch weiterhin unbedingt zwei Fahrspuren je Richtung erhalten bleiben. Es kann also nur an den Straßenrändern Änderungen geben.

Dennoch zeigt die vom Ingenieurbüro „Hoffmann Leichter“ und der „Gruppe Planwerk“ erarbeitete Machbarkeitsstudie, dass erhebliche Verbesserungen möglich sind. Die stellenweise überbreiten Fahrspuren werden auf Normalmaß reduziert. Rechts auf der Fahrbahn kann dadurch eine zwei Meter breite Fahrradspur markiert werden, so dass in beiden Fahrtrichtungen zwischen Warschauer Brücke und Frankfurter Tor eine durchgängige Fahrradverbindung entsteht. Die Längsstellplätze am Fahrbahnrand müssten dafür allerdings entfallen. Die Gehwege können wiederum auf beiden Straßenseiten um 50 bis 80 Zentimeter verbreitert werden. An Stellen, wo Läden regelmäßig mit Waren beliefert werden, können Anlieferungszonen in den Gehwegbereich integriert werden.

Der zweifellos größte Vorteil dieser Lösung ist, dass den Radfahrern endlich eine sichere Fahrspur bekommen. Durch die Führung auf der Fahrbahn sind sie immer im Blick der anderen Verkehrsteilnehmer. Die häufigen und oftmals folgenschweren Abbiegeunfälle, bei denen die Radfahrer von Autofahrern übersehen werden, werden so weitgehend vermieden. Insbesondere an der Kreuzung Revaler Straße sind in Fahrtrichtung Norden brenzlige Situationen an der Tagesordnung. Rechtsabbiegende Autos beachten hier oft nicht den Vorrang der Radfahrer, die rechts von ihnen auf dem abschüssigen Bürgersteigradweg herangefahren kommen. Um diese Gefahrenstelle zu entschärfen, soll der Radweg hier vor der Kreuzung so auf die Fahrbahn geleitet werden, dass sich die geradeaus fahrenden Radler links von der Rechtsabbiegespur in den Verkehr einordnen. „Wir haben mit einer solchen Führung positive Erfahrungen gemacht“, berichtet Sarah Stark, Berliner Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC).

Mit der neuen Radspur werden die Radfahrer keinen Grund mehr haben, auf dem Gehweg zu fahren. Heute benutzen von 250 Radfahrern pro Stunde 150 die Fahrbahn und 100 den Bürgersteig. Erfahrungsgemäß werden jedoch trotz der komfortablen Radspur die ungeübteren Radfahrer weiterhin lieber illegal den Bürgersteig benutzen. Auch die rücksichtslosen „Fußgänger-Slalomfahrer“ wird man durch das neue Angebot allein nicht bekehren können. „Das Ordnungsamt wird sicher am Anfang etwas häufiger durch die Straße laufen müssen“, sagt Horst Wohlfahrt von Alm, Verkehrsplaner bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.



Aufruf zum Einmischen

„Der Umbau der Warschauer Straße ist eine ganz wichtige Sache für unseren Kiez“, sagt Hans-Ulrich Voigt von der Betroffenenvertretung Warschauer Straße. „Dazu brauchen wir auch eine intelligente Parkraumbewirtschaftung.“ Daneben stehen noch weitere Verkehrsbaustellen an. Ab 2014 soll der S-Bahnhof Warschauer Straße saniert und direkt mit dem U-Bahnhof verknüpft werden. Etwa zwei Jahre später ist geplant, die Straßenbahnlinie 21 aus der Boxhagener Straße herauszunehmen und über die Kopernikus- und Wühlischstraße an den Bahnhof Ostkreuz heranzuführen. Die Betroffenenvertretung hat deshalb in Kooperation mit dem Stadtteilbüro Friedrichshain eine Verkehrs-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich auf den gesamten Boxhagener Kiez bezieht: Jeder interessierte Bürger – ob Anwohner oder Ladeninhaber, ob Autofahrer, Straßenbahnnutzer, Radfahrer oder Fußgänger – ist aufgerufen, sich einzumischen. Da man nicht jede Maßnahme losgelöst von den anderen sehen kann, will die Verkehrs-AG vor allem darauf hinwirken, dass die Planungen aufeinander abgestimmt werden. Ansonsten drohten ständig neue Bauarbeiten, die den Kiez auf Jahre lahmlegen. „Wir vermissen noch ein Gesamtkonzept“, sagt Betroffenenvertreter Hans Ulrich Voigt. Gesucht wird nun der Kontakt zu Forschungsinstituten, Hochschul-Lehrstühlen und Absolventen, um das Verfahren wissenschaftlich zu begleiten.

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Einziger gravierender Nachteil der Umbaulösung ist der Verlust der Parkplätze. Im öffentlichen Straßenraum gibt es heute 91 Stellplätze. Bis auf die rund 20 Plätze vor dem Haus Warschauer Straße 5-8 am Frankfurter Tor werden alle entfallen. Daher gilt es, in den Nebenstraßen das vorhandene Stellplatzangebot besser auszunutzen. „Eine Parkraumbewirtschaftung muss unbedingt in Erwägung gezogen werden“, sagt Baustadträtin Jutta Kalepky.




Mit dem Umbau wird der größte Teil der Parkplätze entfallen

Obwohl Friedrichshain wegen fehlender Radwege und sehr holpriger Kopfsteinpflasterstraßen als fahrradunfreundlich gilt, ist der Radverkehr in den letzten Jahren stark angestiegen. „Leider ist es nicht gelungen, während der 15-jährigen Sanierungszeit ein gebietsübergreifendes Fahrradwege-System zu entwickeln“, sagt ASUM-Geschäftsführer Werner Oehlert. Der Umbau der Warschauer Straße ist zwar ein großer Schritt nach vorn, aber zu einem lückenlosen Radwegenetz ist es noch ein weiter Weg.



Knappen Parkraum besser ausnutzen

Parkplätze sind im Bereich um die Warschauer Straße knapp, und nach dem Umbau der Magistrale wird es etwa 70 Stellplätze weniger geben. Damit die autofahrenden Anwohner in Zukunft nicht länger nach einer freien Lücke suchen müssen, möchte der Bezirk eine Parkraumbewirtschaftung einführen. Ein Gutachten über die Machbarkeit ist in Arbeit. Betrachtet wird das gesamte Gebiet zwischen Ostkreuz und Straße der Pariser Kommune. Erste Ergebnisse werden Ende September erwartet.

Bei der Parkraumbewirtschaftung werden in den Straßen Parkscheinautomaten aufgestellt. Das Parken kostet in den meisten Berliner Parkzonen einen Euro pro Stunde, in einigen besonders zentralen Lagen zwei Euro. Anwohner können eine Vignette beantragen, die 20,40 Euro kostet und zwei Jahre gültig ist. Mit diesem Bewohner-Parkausweis können
sie in ihrer Parkzone kostenlos parken. Auch für Betriebsfahrzeuge und auswärtige Besucher kann man Vignetten bekommen. Für die Anwohner ist damit zwar kein Parkplatz garantiert, weil es aber auf Auswärtige abschreckend wirkt, wenn sie für das Abstellen ihres Fahrzeuges zahlen müssen, sinkt die Parkplatznot und die Anwohner haben weitaus bessere Chancen, einen Stellplatz zu finden. Das ist die hinter der Parkraumbewirtschaftung stehende Idee.

Im Allgemeinen sind die Bewohner nach anfänglicher Skepsis vom Nutzen der Parkraumbewirtschaftung überzeugt. Unstimmigkeiten kann es allerdings an den Rändern der Zonen geben, wenn sich dort der Parkdruck erhöht. Dies ist zum Beispiel am Schleidenplatz der Fall, wo die Parkzone an der Voigtstraße endet. Autofahrer, die jenseits der Voigtstraße wohnen, haben zuweilen größere Probleme einen Parkplatz zu finden. Je nach verkehrspolitischer Überzeugung fordern sie entweder die Abschaffung der Parkzone oder ihre Erweiterung auf das gesamte Samariterviertel. Rund um den Ostbahnhof besteht seit Jahren die zweite Friedrichshainer Parkzone. Im Altbezirk Mitte wird der größte Teil des Straßenlandes „parkraumbewirtschaftet“. Der Bezirk Pankow führt nach langer Diskussion am 1. Oktober in weiten Teilen von Prenzlauer Berg die gleiche Maßnahme ein.

Die Einführung der Parkzonen kostet Geld: Automaten müssen aufgestellt, Vignetten ausgestellt und die Einhaltung muss vom Ordnungsamt kontrolliert werden. Die Einnahmen aus den Parkscheinautomaten und dem Vignettenverkauf sowie die Bußgelder der nicht zahlenden Parker fließen in die Bezirkskasse. Dass die Einnahmen die Personal- und Verwaltungskosten decken, ist aber nicht Kriterium der Einführung einer Parkraumbewirtschaftung.

Künftig sollen die Radfahrer in der Warschauer Straße eine „sichere“ Spur befahren können


Die Verkehrs-AG trifft sich an jedem letzten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Stadtteilbüro, Warschauer Straße 23
Tel 29 77 23 91
(Montag und Donnerstag 17 bis 19 Uhr)
E-Mail: stb-fhain(at) gmx.de

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