Am Rande 

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Was steckt dahinter?

Kultiger Keller

Die verschnörkelten Stahlbalkone und die bunte Fassade fallen schon von außen auf. Noch schräger wird es, wenn man die Jessnerstraße 41 betritt. Im Treppenhaus hängt ein riesiger Drache von der Decke und über einen tunnelartigen Durchgang erreicht man schließlich eine der letzten Bastionen der Friedrichshainer Untergrund-Kultur: den "Supamolly".

Der "Supamolly" im Keller des Hinterhauses und die Kneipe im Vorderhaus sind Teil eines Hausprojekts. Das Gebäude Jessner Straße 41 direkt am Traveplatz wurde kurz nach der Wende besetzt und wie jedes besetzte Haus hatte man eine Kneipe – "unser Wohnzimmer", wie Uwe, Horst und Thomas, drei langjährige Bewohner, sagen. Auch 21 Jahre später finden hier an jedem Wochenende Konzerte, Lesungen und Kleinkunst statt, und einmal im Monat gibt es eine Soli-Party.

Das Publikum ist gemischt, je nachdem ob Klezmer, Jazz oder Hardcore-Punk geboten werden. "Einen gewissen Freestyle haben wir uns erhalten, wir sind keine gewerbliche Kneipe", erklärt Thomas. Das sieht man den Räumlichkeiten an. Ein wahres Sammelsurium an skurrilen Fundstücken ist im Laufe der Zeit zusammengekommen, vom uralten Kettenzug bis hin zur Original-DDR-Landkarte an der Wand. Sowohl Publikum als auch Bands mögen den eigenwilligen Charme. Maximal 4 Euro Eintritt zahlt der Konzertgast, auch die Getränkepreise sind günstig. Unerwünschter Nebeneffekt: Vor allem im Sommer lassen sich hier zunehmend Touristengruppen volllaufen.

In der linken Szene gilt die "Jessi" als undogmatisch. Bereits 1992 ließ man sich auf Einzelmietverträge mit der Wohnungsbaugesellschaft WBF ein, 1999 übernahmen die Bewohner das Haus über eine Genossenschaft. Heute leben hier 45 Erwachsene und sieben Kinder.

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Der Gemeinschaftsgedanke wird nach wie vor hochgehalten. Es gibt keine abgeschlossenen Wohnungen, sondern fünf große Gemeinschaftsküchen und mehrere Bäder in jeder Etage. Einmal im Monat tagt das Plenum.

Um Einvernehmlichkeit hat man sich immer bemüht, etwa als es um die behördliche Genehmigung zum Betreiben des Klubs ging. "Sonst würde es uns heute nicht mehr geben", betont Horst. Das gilt auch für das Verhältnis zur Nachbarschaft. Rundherum sind mehrere Neubauten entstanden.

Großen Wert legt Uwe übrigens darauf, dass es "der Supamolly" heißt. Der Name kommt von dem "Supermolotow-Cocktail", den die Polizei bei der seinerzeitigen Räumung der besetzten Mainzer Straße angeblich gefunden hatte. Uwe: "Das war nichts weiter als eine große Flasche Birnenschnaps."

Wo eine Schnapsflasche zum Taufpaten wurde …

Supamolly
Geöffnet täglich
außer montags
Jessnerstraße 41

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