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Was steckt dahinter?

Drei Jahre eingerüstet

Im Herbst 2006 wurden vor dem Eckhaus Knorrpromenade 1/ Wühlischstraße 15/16 ein Baugerüst aufgestellt. Das war der Beginn einer Sanierungs-Odyssee, die mittlerweile ins vierte Jahr geht.



Sieben Mietparteien in der Knorrpromenade 1 trotzen einer widrigen Situation bis heute. Der Rest der insgesamt 32 Wohnungen ist seit Jahren unbewohnt, die beiden Aufgänge in der Wühlischstraße stehen komplett leer.

Mit dem Aufstellen des Baugerüstes begann nicht etwa die Sanierung des Hauses, sondern erst einmal der Verfall. Zunächst wurde am Dach gearbeitet, dann passierte ein halbes Jahr nichts. Dann wurde ein größeres Gerüst aufgestellt, von Frühjahr 2008

bis Herbst 2009 tat sich aber wieder nichts. „Während dieses Baustopps ist das Haus erst richtig heruntergekommen“, erzählt ein Bewohner. Es wurden keinerlei Instandsetzungsmaßnahmen vorgenommen, eine Hausreinigung fand nicht mehr statt, unter dem Gerüst wurde Müll abgeladen und die Hauswand wurde zum sichtgeschützten Urinal. Außerdem wurden die Betriebskosten nicht mehr abgerechnet. Wegen Rattenbefalls und toter Tauben haben die Mieter das Gesundheitsamt eingeschaltet. Weil es durch das Dach regnete und sich Schimmel ausbreitete, musste die Bauaufsicht das Dach abdichten lassen.

Seit Oktober 2009 wird nun wieder gebaut. Die Mieter haben dadurch zehn Bauarbeiter als neue Mitbewohner. Die Wohnungen in der Wühlischstraße sind offenbar fast fertig saniert. Nun wird auch in den Leerwohnungen in der Knorrpromenade gearbeitet. Ab sieben Uhr morgens dröhnt der Schlagbohrer, Dreck und Baulärm sind an der Tagesordnung. Die Mieter haben die Miete deshalb gemindert. Vom Eigentümer, einer irischen Gesellschaft, gibt es keinerlei klare Aussagen über deren Vorhaben. Auch ist nie eine Modernisierungsankündigung eingetroffen. „Seit drei, vier Jahren macht man uns nur mündliche Versprechungen, etwas Schriftliches gibt es nicht“, sagt ein Mieter.

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Die Knorrpromenade war einmal für Friedrichshainer Verhältnisse eine noble Adresse. Sie wurde von 1911 bis 1913 als bürgerliche Wohnstraße inmitten einer proletarisch geprägten Gegend gebaut. Um wohlhabende Mieter mit gehobenen Ansprüchen anzuziehen, wurden die Gebäude mit repräsentativen Fassaden, Treppenhäusern und Vorgärten ausgestattet. Um sich vom Arbeiterquartier abzugrenzen, dekorierte man den Anfang der Knorrpromenade mit einem Schmucktor. Alle Häuser der Knorrpromenade stehen heute unter Denkmalschutz.

Der alte Glanz ging im Laufe der Jahrzehnte verloren. Doch mit den aufwändigen Sanierungen der letzten Jahre scheinen die Hauseigentümer zu versuchen, die Knorrpromenade wieder zur „Schlossallee“ von Friedrichshain umzukrempeln. „Aber es will ja nicht jeder in einer topsanierten Wohnung mit Parkett wohnen“, sagt ein Mieter aus der Knorrpromenade 1. Zum Teil wohnen die Mieter schon seit 20 Jahren hier und wollen natürlich bleiben. Sollten sie aber ausziehen müssen, befürchten sie, dass sie wegen der hohen Mieten nichts finden und den Bezirk verlassen müssen – keineswegs ein unrealistisches Szenario, wie die jüngste Entwicklung im Quartier nahelegt.


Wohin die Sanierungsreise geht, wissen die Bewohner der Knorrpromenade 1 nicht

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